Kleine Schritte

12. Juli 2015 | 7 Kommentare

Unser Sprachlehrer neulich in Irland war absolut entsetzt darüber, dass wir noch nie bei einem Protestmarsch oder bei einer Demonstration mitgemacht haben. Er konnte es einfach nicht fassen, dass Leute, die das Recht und die Macht etwas zu ändern haben, keinen Gebrauch davon machen, einfach weil sie sich nicht dafür interessieren. Die Reaktion von uns war immer ähnlich: Schulterzucken. Weiß nicht. Bringt ja nix.

Selbst glaubt man immer, man kann alleine ja nichts ausrichten; welche Chance hat man da schon? Wieso sich die Mühe machen, wenn sie verschwendet ist? Das denken hunderte, tausende, weißnichtwieviele Menschen, die gemeinsam sehr wohl etwas bewirken können.


Es folgt keine Predigt oder Missionierung, sondern die Bitte, über Folgendes nachzudenken. Was mich nämlich rasend macht, ist, wie wenig auf die Umwelt geachtet wird. Augenverdrehen? Das hat nichts mit Hippiegefasel zu tun (nichts gegen Hippiegefasel), sondern ist schlicht und einfach bewusster Umgang mit unserem Planeten. Ein Umgang, der eine Selbstverständlichkeit sein sollte - welcher Idiot zerstört seinen eigenen Lebensraum? -, stattdessen aber eine Katastrophe ist. 
Auf solche Gedanken gebracht hat mich etwas scheinbar ganz Banales: Eine neue Schokoladensorte von einer bekannten Firma. Von außen schaut das Produkt aus wie eine ganz gewöhnliche kleine Schokoladentafel, deshalb wären mir auch fast die Augen aus dem Kopf gefallen, als ich gesehen habe, dass die 3 darin enthaltenen "Snacks" nochmal einzeln verpackt sind. Bitte, was?

Vielleicht findet ihr, dass ich überreagiere (das findet meine Mutter ^^), aber genau so ein unnötiger (!) Verpackungsüberschuss trägt doch zu den Plastikteppichen im Meer bei, und die sind weder umwelt- noch gesundheitstechnisch vertretbar (und moralisch schon gar nicht), u.a. weil letztendlich auch wieder Vieles von dem Müll über die Tiere im Wasser bei uns im Essen landet.

"Tortoise trapped by Plastic" // "Oiled Penguins"
Ein Anfang, wenn auch ein zögerlicher, wird bei uns in Österreich jetzt immer mehr in Läden gemacht. Wo man früher für jeden Einkauf eine Plastiktüte dazubekam, gibt es jetzt Papiertüten oder man muss für die Plastiksackerl 10 Cent aufwärts zahlen. Das ist zwar lächerlich wenig, hat aber meiner Meinung nach auch mehr einen psychologischen als einen finanziellen Grund: "Was, ich soll für mein Sackerl extra zahlen? Na sicher nicht! Ha, denen zeig ichs jetzt!" :D

Es sind kleine Schritte, die das Große ausmachen, auch wenn sie einem wirklich lächerlich klein vorkommen. Aber was soll ich euch sagen? Aller Wahrscheinlichkeit nach werde ich mich nicht mehr oder minder freundlich bei besagter Schokoladenfirma beschweren, grade aus den vorhin verteufelten Gründen: Es wird verschwendete Energie sein und nichts ändern, selbst wenn sich die Mail überhaupt jemand richtig durchlesen würde. Aber wer weiß?

Für Leute wie mich, die für manche Dinge einfach nicht ihren Arsch hochkriegen können, habe ich nun einige wirklich einfache, passivere Tipps für ein besseres Gewissen im vermüllten Alltag! (Ich wäre eine echt gute Verkäuferin, nicht wahr?)

1 Nehmt euch doch so oft es geht zum Einkaufen eigene Taschen mit - vielleicht Stoffbeutel? Die gehen nicht so schnell kaputt wie Papiertüten und kosten meist auch nicht die Welt. Ich habe zum Beispiel einen von Hugendubel um 50 Cent und Thalia Deutschland dürfte auch grad welche haben. Außerdem könnt ihr die Taschen auch blanko kaufen und selbst bemalen oder bedrucken :)

2 Anstatt Plastikflaschen nur einmal zu verwenden und dann wegzuwerfen*, kann man sie ( oder andere Sachen!) ruhig mehrere Male benutzen. Ihr müsst nur darauf achten, dass ihr besonders nach zuckerhaltigen Getränken die Flasche gut auswascht. Ihr könnt euch auch eigene Trinkflaschen kaufen, die für längere Zeit gedacht sind. Ich weiß, was für eine Ironie, dass meine hier auch aus (Hart-)Plastik sind ... ;) Ich baue darauf, dass sie lange halten. 
*Als ich die letzten paar Male in Deutschland war, ist mir aufgefallen, dass echt fast alle Flaschen Pfandflaschen sind! War das nur Zufall oder ist das wirklich so? Und wenn ja, nutzt ihr den Pfand auch? Bei uns kennt man das kaum noch.

3 Seid ihr auch schon mal in Kaugummi getreten? Uäh! Spuckt ihn doch einfach bitte nicht auf die Straße und auch nicht in einen Kanal/Gulli. Und wenn ihr ein herumkugelndes Chipspäckchen seht, dann gebt euch halt eben einen Ruck und werft es in den Müll, als Ausgleich für die Leuchte, die das nicht geschafft hat.
Funfact: In unserer irländischen Küstenstadt musste man fürs Müllhinterlassen am Strand über 100€ zahlen - vor Gericht über 1000€!

Für Interessierte und nach diesem langen Post noch Ungesättigte habe ich noch zwei zusätzliche, ganz tolle Links!
» {Tolles aus Mainz} Unverpackt gegen Plastikmüll
» Unterwegs in Frankfurt: Nachhaltigkeitsguide - fain, vegan und bio

Wäre das nicht cool, wenn wir mal bewusster leben könnten?


7 Kommentare

  1. Hier in Deutschland sind tatsächlich fast die meisten Plastikflaschen Pfandflaschen - bei euch nicht? o.O

    Sehr "schöner", d.h. informativer und auf eine wichtige Sache aufmerksam machender Post!
    Ich meide mittlerweile Plastiktüten weitgehend, besonders in Kleidungsläden schmeißen die Leute einem diese ja schon quasi hinterher.
    Im Prinzip ist dieser ganze Plastikwahnsinn einfach nur erschreckend. Genauso wie unser Umgang mit diesem Planeten. ^^

    Liebe Grüße :)

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  2. Hallo Sandra,
    wirklich toller Post, ich finde es toll, dass du das Thema ansprichst. Ich versuche, umweltbewusst zu leben, auch wenn mir das nicht immer gelingt. Aber es macht mich wütend, wie wenig auf die Umwelt geachtet wird, so als hätten wir unendlich viele Erden zur Verfügung - stattdessen wird nur aufs Geld geachtet. Wozu braucht man noch Geld, wenn die Natur drumherum stirbt?
    (Ja, da kann ich mich immer reinsteigern :D )

    Liebe Grüße,
    Noemi

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  3. Hallo Sandra^^
    das ist ein wichtiges Thema! Ich muss zugeben, ich denke auch immer, das bringt doch nichts, wenn ich da allein gegen ankämpfe. Aber man muss sich immer daran erinnern, dass man ja nicht wirklich allein damit ist und auch, dass es zumindest ein bisschen was bringt.
    Und ich habe soo eine Abneigung gegen Plastiktüten im Supermarkt oder so. Ich gehe IMMER entweder mit einem Stoffbeutel oder mit so einem kleinen Schiebewagen einkaufen (bei letzterem fühle ich mich sehr altXD).

    Und ich glaube schon, dass hier fast alle Flaschen Pfandflaschen sind. Immer wenn ich eine sehe, die keinen Pfand hat, find ich das schon sehr merkwürdig. Ist teilweise auch ein Grund, das Getränk dann nicht zu kaufen, es nervt einfach wenn der Plastikmüll, wie in meiner Stadt, nur alle 2 Wochen abgeholt wird und sich dann mit solchen Flaschen so viel ansammelt-.- Und Pfand ist einfach toll:D wenn man irgendwie 2€ Pfand hat, hat man direkt das Gefühl dass man total viel spart:D

    Liebe Grüße!
    Julia

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  4. Hi Dandy! Da sprichst du mir aus der Seele, es ist erschreckend inwiefern wir Menschen heutzutage ignorant sind, was den Umweltschutz angeht - gerade das Verpackunsbeispiel hat einmal mein Gemeinschaftskundelehrer gebracht und das weiß ich bis heute noch, weil es mich einfach immer noch schockiert.
    Aber gut, dass es Menschen gibt, denen so etwas auffällt und darüber reden - wie dir mit diesem Post. Kleine Schritte führen zum Ziel, wie du schon gesagt hast und das hier ist doch auch ein kleiner, kleiner Schritt ;)
    Liebst, Mara von Maraposa

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  5. Oh no! Ich vertrage solche fiesen Bilder immer nicht so gut - jetzt musste ich ein Tränchen verdrücken. Die armen Pingus. Und die arme Schildkröte! :'(

    Aber ich stimme dir in allem zu, was du schreibst. Diese Schokolade sollte ich mal in die Finger kriegen - denen würd ich ne gepfefferte Mail schreiben! Ich weiß nicht, wie da die Unterschiede sind, aber hier in Deutschland nimmt es auch langsam ab mit den Plastiktüten. Im dm zum Beispiel hingen ja immer die kleinen rum - mittlerweile sind die weg und man kann nur noch eine große mitnehmen; für die muss man dann aber zahlen. Ich hab mir tatsächlich ein Kontingent an kleinen Falt-Stofftaschen besorgt und jede meiner Taschen und meinen Rucksack damit ausgestattet, damit ich sowas wirklich immer dabei habe. Das tut gar nicht weh und hilft schon viel.
    Es gibt generell auch neben deinen genannten Punkten einige Kleinigkeiten, die man am Alltag verändern kann, um die Umwelt zu schonen. Ich finde nicht, dass man sein ganzes Leben danach ausrichten muss, aber ein bisschen bewusst sollte man schon die Zeit hier auf der Erde verleben.

    Schön, diesen Post zu lesen! ;)

    Liebe Grüße
    MelMel

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  6. Huhu liebe Sandra,

    Ein toller Post und super, dass du darauf aufmerksam machst :)
    Also, ich bin glaube ich ein recht aktiver 'Öko-Freak', wie mich meine Freunde liebevoll nennen ^^ Einerseits, weil ich mich politisch dafür 'engagiere' (engagieren ist zu viel, aber naja :D), zum anderen, weil ich Jahre lang ehrenamtlich bei einer Umweltorganisation partizipiert habe.
    Dein Post erinnert mich an eine Auseinandersetzung, die ich letztens mit meinem Fahrlehrer hatte. Ich hatte ihm gesagt, dass ich das Auto nur für Notfälle und zum Transport für die Harfe fahren würde - in Wien sind die Öffis so gut und ich müsste die Umwelt nicht unnötig belasten. Er sagte daraufhin, dass das umweltbewusste Fahren sowieso nichts bringt. Und ob ein Auto mehr oder weniger auf den Straßen herumfährt mache schließlich auch keinen Unterschied. Das hat mich schrecklich aufgeregt, weil diese "Es macht sowieso keinen Unterschied"-Mentalität erst Recht nichts bringt! Man soll ja nicht die Schuld auf andere schieben, sondern sich selbst mal an der Nase packen!
    Ich bin bei meinen letzten Reisen nach Österreich genauso auf Verwunderung gestoßen, dass es anscheinend KEIN Pfand gibt. In Deutschland ist das nämlich wirklich eine Normalität. Aber es scheint in Österreich trotzdem ohne ganz gut zu funktionieren, oder?

    Liebe Grüße
    Emilie

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  7. Ich finde es sehr gut das du darauf aufmerksam machst. Bei uns daheim gibt es schon seit langem keine Plasitktüten mehr, alles Stoffbeutel, die alles aushalten und ein schickes Motiv haben. Teilweise ist es schon gravierend wie schlimm die Umwelt leidet, denn ja mittlerweile ist das nicht mehr nur ein "Ökötussi"-Thema sondern schlimme Realität. Ich finde es toll, dass du diesen Beitrag geschrieben hast!

    LG Piglet ♥

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