Vollendet - Neal Shusterman [Rezension]

16. August 2012 | 2 Kommentare








Preis: 17,50€ [A]
Originaltitel: Unwind
Erschienen: 26.07.2012
Verlag: Sauerländer
Einband: gebunden
Seitenzahl: 430
Altersempfehlung: ab 14




Der 16-jährige Connor hat ständig Ärger. Risa lebt in einem überfüllten Waisenhaus. Lev ist das wohlbehütete Kind strenggläubiger Eltern. So unterschiedlich die drei auch sind, eines haben sie gemeinsam: Sie sind auf der Flucht. Vor einem Staat, in dem Eltern ihre Kinder im Alter von 13 bis 18 Jahren "umwandeln" lassen können. Die Umwandlung ist schmerzfrei. Jeder Teil des Körpers lebt als Organspende in einem anderen Organismus weiter. Aber ... wenn jeder Teil von dir am Leben ist, nur eben in jemand anderem ... lebst du dann, oder bist du tot?


Wie immer gerade beendet, und das einzige, was ich denken kann ist: Ich hab's gewusst! *Siegerpose* :D
Vielleicht kennen das manche von euch ja, während dem Lesen eines Buches male ich mir immer aus wer mit wem wie verbunden sein könnte und warum der und der irgendwas gemacht hat. Nach Langem lag ich heute endlich mal wieder richtig xD.

Ja wo fangen wir da an. Das Buch hat keinen Schutzumschlag. Der Titel ist 'blutig' geschrieben. Es sieht aus als wäre das Cover ein großes Stück zerkratztes Metall, was noch mehr dadurch zum Ausdruck gebracht wird, dass das Buch im Licht metallisch glänzt.
Der Titel gab mich eigentlich zu denken. Was ist mit Vollendet gemeint? Die Vollendung des menschlichen Körpers? Aber dann wäre ja unvollendet angebrachter, denn es treten ja gewissen Nebenwirkungen auf. Oder ist gemeint, dass zu Ende des Buches der Wahnsinn der Umwandlung vollendet ist? Was ja auch nicht ganz stimmt. Wäre nicht einfach Umgewandelt passender? :D Es verwirrt mich.

Die Protagonisten bleiben vom Aussehen her relativ blass, ich hatte keine Gesichter im Kopf. Stattdessen glänzen sie wirklich mit ihrer Charakterstärke. Connor, Risa und Lev sind tolle Hauptprotagonisten.
Richtige Lieblinge hatte ich nicht, auch wenn ich Cy, einen Nebencharakter, ziemlich toll. fand. Die stärkste Entwicklung hat aber wirklich Lev durchgemacht, vom naiven Zehntopfer zum aufbrausenden Widerständler, dicht gefolgt von Connor.
Die Liebesgeschichte ist eher nebensächlich, nicht zu ausgeprägt, wenigstens keine "Er riecht ja sooo gut"-Teenie-Romanze. Ja ich weiß, viele mögen das, aber ich gehöre definitiv nicht zu dieser Gruppe von Lesern.

"Aus mir wäre ohnehin nicht viel geworden, jetzt habe ich statistisch gesehen eine Chance, dass wenigstens ein Teil von mir irgendwo in der Welt große Bedeutung erlangt. Ich wäre lieber teilweise bedeutend als vollkommen nutzlos."

Die Grundidee erinnert mich entfernt an Seelen oder Starters - aufgrund der perfektionierten Nerventransplantation kann jeder (kranke) Organ durch ein anderes ersetzt werden. Aber da Körperteile bekanntlich ja nicht auf Bäumen wachsen, können Eltern ihre Kinder im Alter von 13-18 Jahren umwandeln lassen, also praktisch eine Ganzkörper-Organspende. Der Staat meint, man lebt dadurch weiter, aber sicher ist sicher keiner, auch wenn es niemand zugeben will. Dasselbe passiert wenn z.B. ein Waisenhaus überfüllt ist, wie es bei Risa der Fall ist.
Alles in allem habe ich mir das Buch brutaler vorgestellt. Es fließt bei Weitem nicht so viel Blut wie ich angenommen hätte, sondern spielt eher ein Spielchen auf psychischer Ebene. Die Umwandlung ist schon verstörend, und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sowas vom Staat (!) legalisiert wurde, nur weil sich zwei idiotische Parteien in punkto Abtreibung nicht einig waren. (Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe.)

Gleich zu Anfang fand eine mörderisch gute Kettenreaktion statt, die richtig Spannung erzeugt, weil da die Charaktere zum ersten mal aufeinandertreffen.
Spätestens als Lev auf Cy trifft, wird einem klar, dass die Umwandlung ein paar Macken hat. Der Arme hat nämlich ein paar Probleme mit seinem transplantieren Schläfenlappen. Manche meinen vielleicht, die Kapitel mit Cy seien unnötig, ich finde sie aber ziemlich wichtig, eben damit man sieht, was alles schieflaufen kann..
Die Kapitel sind aus der Sicht mehrerer Personen geschrieben, natürlich aus der von Lev, Connor und Risa, aber auch von einer Mutter, den Kids, dem Admiral, einem Pfandleiher, einer Lehrerin usw. Dadurch erfährt man recht schnell wer an was schuld ist und man möchte den Protagonisten praktisch durch die Buchstaben zuschreien wer es war.
Es hab auch Passagen die mir nicht gefallen haben. Da haben sich die Jungs auf dem Weg zum Flugzeugfriedhof doch tatsächlich 7 ganze Seiten darüber unterhalten, ob ein Mensch eine Seele hat und ab wann das der Fall wäre. Da konnte man teilweise nur genervt aufstöhnen und denken: Nee, oder?

Mich hat das Buch ehrlich gesagt schon zum Nachdenken gebracht, weil erwähnt wurde, dass die Charta des Lebens, die ganze Sache mit der Umwandlung verhindert hätte werden können, wenn früher mehr Menschen Organspender gewesen wären.
Dass einer der Protagonisten umgewandelt wird fand ich zwar grausam, aber notwendig. Was wäre das für eine Geschichte, in der es praktisch die ganze Zeit um's Umwandeln geht, am Ende aber doch keiner umgewandelt wird? Und ehrlich gesagt hat mich der Vorgang auch noch interessiert :D
Wie oft sich Lev und Connor über den Weg laufen, obwohl sie eigentlich ziemlich zu Anfang des Buches getrennt wurden, das ist fast schon lächerlich, hat mir aber fast immer ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.
Bei der schrecklichen Ironie am Schluss wusste ich nicht ob ich lachen oder weinen sollte. Am Schluss hab ich keins von beidem gemacht :D

Die Sache mit Humphrey Dunfee fand ich erfrischend für zwischendurch, und später stellt sich heraus, dass dieser einen größeren Teil der Geschichte ausmacht, als man glaubt. Gleich zu Anfang hatte ich das Gefühl, ich würde den Namen kennen, fragt mich nicht, warum. Er erinnerte mich irgendwie an Sweeny Todd, Samara Morgan & Co.
Humphrey wurde von seinen Eltern zum Umwandeln geschickt, den Grund habe ich jetzt leider vergessen *schäm*. Dann wollten sie es doch noch rückgängig machen, aber da war die Umwandlung schon vollzogen.  Daraufhin drehten beiden angeblich total durch, beschafften sich die Daten, wer welches Organ von Humphrey bekommen hatte, und flickten ihren Sohn Stück für Stück wieder zusammen.
Ist nur ein Gerücht, aber ein ziemlich interessantes, wie ich finde.

Ein schönes Buch, wenn ihr mich fragt. Ich persönlich denke, es wird noch einen Nachfolger geben, obwohl die Geschichte mehr oder weniger abgeschlossen ist. Auf jeden Fall bleiben ein paar Fragen offen.
Eine interessante, schockierende Grundidee. Charakterstarke Protagonisten. Folgenschwere Handlungen.
Ich hatte mir das Buch brutaler vorgestellt, es fließt also nicht viel Blut. Sehr lesenswert.
Schon allein wegen dem tollen Zitat von Albert Einstein zwischendurch hat dieses Buch wahrscheinlich mindestens 4 Sterne verdient :D
4 1/2 von 5 Punkten


2 Kommentare

  1. Hey
    Ok, deine Rezension hat mich darin bestätigt, dass das Buch auf meiner Wunschliste richtig ist :)

    LG
    Luna

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